ThyssenKrupp
Hauptversammlung 2010
"Die Bucht von Sepetiba will leben!"
Kritische Aktionäre unterstützen brasilianische Fischer
Der brasilianische Fischer Luis Carlos Oliveira verlangte bei der gestrigen Aktionärsversammlung der ThyssenKrupp AG in Bochum die ökologische Wiederherstellung der Bucht von Sepetiba und eine Entschädigung für die Verdienstausfälle der Fischer, die vom Bau des Stahlwerks von ThyssenKrupp betroffen sind. "ThyssenKrupp beutet das hochwertige Erz aus, uns lassen sie die Schlacke", sagte Oliveira. Ein Spielzeug-Fisch, den Oliveira im Anschluss an seine Rede dem Vorstandsvorsitzenden Ekkehard Schulz überreichte, soll die Konzernführung an die Forderungen der Fischer erinnern.
ThyssenKrupp handelt sozial und ökologisch unverantwortlich
Der Vorstand von ThyssenKrupp wies jede Verantwortung von sich. Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, der den Fischer Oliveira zur Aktionärsversammlung eingeladen und ihm Stimmrechte übertragen hatte, ist wenig überrascht von dieser Haltung. "ThyssenKrupp versucht sich den Anstrich eines sozial und ökologisch verantwortungsvollen Konzerns zu geben, aber dieses Bild hat mit der Realität nicht viel zu tun. Wir werden daher die Aktivitäten von ThyssenKrupp weiter kritisch beobachten und unterstützen die Forderungen der Fischer nach Entschädigung und Beseitigung der durch das Stahlwerk angerichteten Umweltschäden."
Antworten ThyssenKrupp „Vorfahrt für Klimaschutz? Umfrage des Dachverbands bei 27 deutschen Konzernen“
Hauptversammlung 2008
ThyssenKrupp belegt laut Branchenrating der Rating-Agentur oekom research nur Platz 18 von insgesamt 20 Unternehmen. Aspekte wie Arbeitsunfälle, Menschenrechtspolitik, Rohstoffpolitik und Umweltschutz spielen hier eine wichtige Rolle. Auf die Frage, wie man sich dieses schlechte Abschneiden erklärt, antwortete der Vorstand, man sei unfair bewertet worden. Nicht sehr einfallsreich.
In einer Hochglanzbroschüre schreibt ThyssenKrupp „Unser Klima hat Schutz verdient“, im Interview mit der FAZ Mitte Januar hatte Vorstandsvorsitzender Ekkehard Schulz diese Aussage wohl vergessen, als er meinte, "für die westeuropäische Stahlindustrie wäre die Pflicht zum Kauf der Emissionsrechte eine Katastrophe." Markus Dufner vom Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre kritisierte auch den Mangel an aufschlussreichen veröffentlichten Zahlen zu klimaschädlichen Emissionen in den einzelnen Sparten, so wie es das vor sechs Jahren gegründete Carbon Disclosure Project (CDP) vorschreibt. An diesem sind heute 315 Großanleger mit 41 Billionen Dollar verwaltetem Kapital beteiligt, darunter Allianz, Deka-Bank, Helaba, Postbank, Münchener Rück und WestLB. Sie fordern von den Unternehmen, klimaschädliche Emissionen offen zu legen, Umweltstrategien zu entwickeln und die Emissionen zu senken. Dadurch wollen die Investoren Umweltrisiken und Chancen erkennen, um dies bei Anlageentscheidungen beachten zu können.
Ein weiteres von Dufner angeführtes Thema war die lukrative Produktion von Palmöl in den tropischen Regionen, in die auch ThyssenKrupp investiert. Neben dem Gebrauch des Öls für die Lebensmittelindustrie kann man die Ölpflanzen auch für die Herstellung von Treibstoffen nutzen, was jedoch unter ökologischen Aspekten immer mehr in die Kritik gerät. Die Frage, ob für das von ThyssenKrupp verwendete Palmöl für seinen integrierten Biodiesel- und Fettalkoholkomplex auch Regenwald gerodet wird, könnte Herr Schulz nicht beantworten.
Dorothea Kerschgens vom Vorstand der Kritischen Aktionäre befasste sich auf der HV mit dem Transrapid in München und kritischen geschäftlichen Aktivitäten in Südafrika (siehe hierzu Rede von Dorothea Kerschgens). So kritisierte sie Investitionen in das völlig überteuerte Transportsystem und die Fehlkalkulation der Gesamtkosten. ThyssenKrupp will sich mit 25 Mio. Euro an der Strecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen beteiligen.
Zum Weiterlesen zur Hauptversammlung 2008: Reden Markus Dufner und Dorothea Kerschgens, Pressemitteilung
Hauptversammlung 2007
Auch Thyssen Krupp baut auf den Handel mit Rüstungsexporten. Der Ausbau des Rüstungssegmentes und der entsprechenden Deals bringt dem Unternehmen satte Gewinne. Kritische Aktionäre brachten es auf den Punkt: auf der Hauptversammlung im Januar 2007 wurden dem Vorstand auch die Kooperation mit EADS bei der Übernahme der Bremer Atlas Elektronik vorgeworfen - Hersteller von Ausrüstung und Systemen von Seestreitkräften sowie Marktführer im Bereich integrierter Sonarsysteme für U-Boote. Doch auch seine Tochterfirmen lässt die Thyssen Krupp eifrig in diesem Segment voranschreiten. So will sich die Tochterfirma Uhde am Bau von Atomkraftwerken in Südafrika beteiligen. Der hohe Energiebedarf in der Region macht Kraftwerke zwar nötig, doch ist der südafrikanische Partner, der Energiekonzern -neben allen bekannten Risiken eines AKW- kein verlässlicher Partner. Mangelhafte Wartungsarbeiten an einem Reaktor hatten in der dicht besiedelten Region um Kapstadt beinahe einen Reaktorunfall verursacht. Selbst die geringere Störanfälligkeit der Kugelhaufenreaktoren verhindern nicht die von ihnen ausgehende umwelt- und gesundheitsschädliche Niedrigstrahlung - Einwänd der der südafrikanischen Umweltschutzorganisation Earthlife Africa wurden bis dahin geflissentlich überhört.
Zum Weiterlesen:
Gegenantrag der Kritischen Aktionäre
Rede Dorothea Kerschgens auf der Hauptversammlung
Pressemitteilung des Dachverbands zur Hauptversammlung
Bericht zur Übernahme von Atlas Elektronik







