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Fraport Hauptversammlung 2007
Anwohner und Kritische Aktionäre protestieren in der ersten Fraport HV„Das ganze Reglement ist hochgradig defizitär“, fasste der Rechtsanwalt Rainer Geulen die Genehmigungslage des größten deutschen Flughafens Frankfurt am Main zusammen. Im Auftrag der von Fluglärm geplagten Stadt Offenbach sprach er am 26. Juni 2002 in der ersten Hauptversammlung der Betreibergesellschaft Fraport AG seit ihrem Börsengang. Der Frankfurter Flughafen sei „nie planfestgestellt“ worden, berichtete Geulen den erstaunten Aktionärinnen und Aktionären. Vielmehr sei das ehemalige Flugfeld aus dem Zweiten Weltkrieg über Jahrzehnte nur nach Baurecht erweitert worden und verfüge deshalb bis heute über keine Lärm-Emissions-Richtlinie.
Dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch mochte diese Wahrheit gar nicht schmecken. Weil das Land Hessen größter Aktionär der Fraport AG ist, amtiert Koch als ihr Aufsichtsrats-Vorsitzender und leitet ihre Hauptversammlungen. Er und der Vorstand des Unternehmens wollen den Flughafen um eine weitere Startbahn erweitern. Viele Anwohnerinnen und Anwohner im Großraum Frankfurt laufen Sturm gegen die damit verbundene zusätzliche Lärmbelästigung.
„Wir kaufen uns den Flughafen“, beschloss deshalb eine ihrer Bürgerinitiativen schon vor dem Börsengang der Fraport AG 2001 und rief alle Betroffenen auf, die Aktien der Firma zu zeichnen. Ausgestattet mit diesen Papieren konnten viele Betroffene nicht nur vor der Hauptversammlung demonstrieren, sondern auch drinnen als Kritische Aktionärinnen und Aktionäre das Wort ergreifen. So warf Sascha Friebe von der ,Interessengemeinschaft Ökoflughafen‘ dem Vorstand vor, die Ausbaupläne auf eine angeblich notwendige Zahl von 656.000 Flugbewegungen pro Jahr zu gründen, jedoch keine verbindliche Obergrenze zu nennen.
Der beabsichtigte Bau eines dritten Passagierterminals lasse vermuten, dass der Vorstand heimlich eine weitere Steigerung plane, denn die bestehenden Terminals seien für 656.000 Flugbewegungen ausreichend. Die Chefs der Fraport „belügen und betrügen die Menschen der Region“, zog Friebe sein Fazit und zog den Vergleich, dass der Frankfurter Flughafen nach dem Willen des Vorstands künftig soviel Sauerstoff verbrauchen solle, „wie alle Pflanzen in der Schweiz produzieren.
Ministerpräsident Koch mühte sich, solche Argumente zu unterdrücken. Unliebsamen Rednern stellte er mehrfach das Mikrofon ab. Verhindern konnte er dennoch nicht, dass der Kritische Aktionär Wolfgang-Rudolf Lehmann den Konflikt um Fluglärm, Abgase und Kerosinregen zuspitzte mit den Worten: „Fraport befindet sich quasi im Kriegszustand mit der Region.“
Gegenantrag der Kritischen Aktionäre auf der Hauptversammlung 2007